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Montag, 6. Dezember 2010

Bahnhofsrunde

Als Lotti gestern vormittag am Ausgang des Lauseparks nach rechts vom Park wegzog, dachte ich, machen wir eben die Bahnhofsrunde.
Am Sonntagvormittag liegt die Stadtlandschaft am ungestörtesten da, nur spärlich genutzt von Menschen oder Autos. Die Schneedecke allerdings würde noch beschönigen.

Wir könnten auch links rüber zum Urnenfriedhof gehen, ziehen aber die Gerichtstraße runter, und lassen die Post rechts liegen.

Das in den späten 20er Jahren erbaute Gebäude der ehemalgen Hauptpost N 65 mag zwar denkmalgeschützt sein, ich fand das expressionistische Bauwerk aber immer schon er- und bedrückend, allerdings enorm praktisch, da leicht zu erreichen.

Nun ist die Post geschlossen worden; zu renditedrückend die Immobilie offenbar.

Beim Eintrit auf den Nettelbeckplatz scheut Lotti. An einem der Dönerimbisse steht ein Mann mit sehr großem kräftigen Hund, der auf Lotti aufmerksam geworden ist. Lotti folgt mir eng am Fuß vorbei an dem Paar.

Am Abend vorher auf der Abendrunde waren wir in der Triftstraße an einer Gruppe jüngerer Männer mit Flaschen in der Hand vorbeigekommen, die eine ungünstige Aura schon von weitem verströmt hatten. Ich war mit Lotti sehr stringent und in gehörigem Abstand auf dem breiten Fußweg an der Gruppe vorbeigezogen, ohne auch nur den geringsten Kontakt zu der Gruppe herzustellen. Trotzdem rief man mir hinterher, 'Verzieh dich mit deiner Töle'. Darauf reagierte ich jedoch ebenfalls nicht, sondern behielt meinen forschen Schritt bei.
Sowas kann schnell kippen!

Der Nettelbeckplatz an einem Sonntagvormittag kann oberflächlich ganz idyllisch wirken. Das liegt dann jedoch vor allem daran, daß er leer, wie unbewohnt ist. Bei entsprechendem Wetter kann er deshalb auch  unbehaust, verlassen wirken.

Von rechts kommend berührt die Lindower Straße den Platz. Sie verläuft parallel zum Bahndamm bis vorne zur Müllerstraße.  Vergrößert man das Bild, so kann man linkerhand den S-Bahnhof Wedding erkennen, auf dem ein Zug der Ringbahn eingefahren ist.

Das ist dieser Tage - und auch noch am Sonntag - keine Selbstverständlichkeit. Die Deutsche Bahn hat es diesmal schon nach dem ersten Schneefall mit moderaten Minustemperaturen geschafft, die S-Bahn nicht mehr ernsthaft funktionieren zu lassen.

Es macht eben einen Unterschied, ob man einen Verkehrbetrieb wie die S-Bahn betreibt, um Menschen unter den betriebswirtschaftlich günstigsten Bedingungen so gut wie möglich zu befördern, oder ob man die Beförderung von Menschen betreibt, um eine möglichst gute Rendite zu erzielen. 

Biegt man nun rechts um die Ecke, wird der Blick frei auf die Reinickendorfer Straße. Vielleicht ist freier Blick hier nicht die völlig angemessene Beschreibung. Zum einen drängt sich die Bahnbrücke für die Ringbahn sowie die nach Norden fahrenden Züge wuchtig vor das Auge; zum anderen würde hier eigentlich eine unsichtbare Grenze markiert sein: die der durch den S-Bahn Ring defnierten Umweltzone. Wer diese Brücke unterquerte, begäbe sich in die feinstaub-light Umweltzone. 

Den hinteren Eingang des S-Bahnhofs Wedding muß ich aber erst noch mitnehmen, auch wenn Lotti nicht eben hilfreich beim Fotoschießen ist.
Was Vorder-, was Hintereingang ist, läßt sich bei einem S-Bahnhof nicht immer gleich sagen. Hier liegt es auf der Hand.
Diese Hintereingangstreppe hat was Gruseliges, Gefahrverströmendes. Eigentlich kann einem gar nichts passieren, wenn man da hinauf geht; es sei denn, eine Hitchcock Kamera würde den Aufstieg filmen.

Geht man unter der Brücke hindurch die Reinickendorfer weiter, ist man trotz alledem nicht in der Umweltzone, obwohl man sich nun innerhalb des S-Bahn Ringes befindet. Die wahrscheinliche Begründung  für diesen Widerspruch offenbart sich einem jedoch erst rechts hinter der Straßenbiegung.
Zuerst jedoch noch schnell einen Blick auf den Weddingplatz linkerhand mit der betongrauen 70er Jahre Dankeskirche. Es ist der alte Kirchplatz des Dorfes und Vorwerks Wedding und hieß auch bis 1835 so. Dominiert wird der Platz schon lange aber von ...

Schering.  Das ist zwar seit Ende 2006 auch nicht mehr ganz zutreffend, da die Schering AG ist von Bayer übernommen wurde, seitdem Bayer Schering Pharma AG heißt und zukünftig ganz ohne den Namen Schering weitergeführt werden wird.
Für den Anwohner wird das Terrain aber voraussichtlich auf Jahrzehnte weiterhin 'Schering' benannt werden, wie in: 'Dann mußt du bei Schering rechts abbiegen ...' und nicht wie es dann korrekt wäre: Dann mußt du bei der Bayer HealthCare abbiegen.

Das penetrant groß über der Fennstraße prangende Unternehmensmotto: Science for a Better Life heißt - frei - übersetzt auch nichts anderes als 'Ringelpietz mit Anfassen'!

Diese ganze Fennstraße hier hinunter herrscht, obwohl deutlich innerhalb des S-Bahnrings gelegen, keine Umweltzone. Die Vermutung ist, daß damit den Lieferfahrzeugen von und für Schering der Weg zur Autobahn frei gehalten werden sollte. Eine Vermutung, mehr nicht, aber auch nicht ganz unlogisch.

An der Ampel rechts gehts nun aber wieder Richtung Norden in die Müllerstraße zurück.  Wenn man jetzt ganz ehrlich ist und allen Lokalpatriotismus abstreift, wird man kaum behaupten können, daß sich einem hier ein verheißungsvoller Stadtlandschaftsanblick bietet.

Von nahem betrachtet wird das nicht besser. Ohne je dagewesen zu sein; einen Supermarkt an einer Ausfallstraße von Bukarest oder Sofia stelle ich mir äußerlich auch nicht wesentlich anders vor.
Diese Nettofiliale hat innen den Charme einer Ramschkiste. Die angebotenen Waren wirken als wären sie in einer anderen Filiale schon einmal ausgelegt worden.

Deshalb nur schnell weiter, unter die Brücke des S-Bahnhofs Wedding mit seinem Haupteingang und Übergang zur Ubahn. Und raus aus der Umweltzone. 

Durchatmen. Das sieht doch schon ganz anders aus. Rechts das Arbeitsamt und gleich dahinter beginnt der Lausepark.
Den nenne ich ja hier immer so so selbstverständlich, als verstünde sich von selbst, daß der ehemalige Courbiereplatz und heutige Max-Josef-Metzger-Platz eigentlich Lausepark hieße. Für die Einheimischen - und das sind eher nur noch wenige - ist das durchaus klar.

Unklar, woher der Name Lausepark kommt. Nicht mal Googlen hilft hier wirklich, höchstens indirekt: In Velten gäbe es einen Viktoriapark, der ebenfalls Lausepark im Volksmund genannt wird. Das hätte folgenden Hintergrund: Weil sich Liebespaare im Park trafen und zusammensaßen, wie sich lausende Affen.

Eine solche Herleitung ist nicht auszuschließen auch für den Weddinger Lausepark. Es könnte aber auch eine alte Sprachform für das Terrain zugrunde liegen, nämlich das 'lusige Fenn', niederdeutsch für ein feuchtes, sumpfiges Gebiet. Topographisch, wie die nahe Fennstraße noch anklingen läßt, wäre das auf jeden Fall begründet.

Und wenn ich es in meiner Stadtlandschaft noch idyllischer als mit dem Lausepark haben will, dann gehts mit Lotti in die Rehberge. Diese Postkartenwinterlandschaft hatten wir da am Sonnabend nachmittag eine Stunde vor Sonnenuntergang:


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Sonntag, 2. Mai 2010

Gute Stimmung

Der 1. Mai gestern ist für Berlin ganz gut, also relativ ruhig verlaufen; der Neonazi Aufmarsch konnte zerstreut werden - noch besser.

Im Nebenhaus wohnt eine mäßig beliebte vielköpfig-kindrige Familie irgendwo aus der Gegend BulgaRumänien. Der jüngste, ca. 14-jährige Sohn nun - bei dem die Zutaten aber wirklich nur noch für den Körperaufbau gereicht und zu mindestens 100 Kilo Lebendgewicht geführt haben - vertrieb sich die Wartezeit vor dem Haus damit, auf der Straße aufgelesene Dinge anzuzünden und sie in Richtung der parkenden Autos zu werfen. (An sich gehört es zu seinen Lieblingsbeschäftigungen, aus dem vierten Stock Tetrapacktüten auf unseren Hof  in Richtung dort befindlicher Leute zu schmeißen.)
Auf den Einwurf, Ey was das soll, blöckte dieser aufgefettete Knirps, er sei Nazi und schließlich wäre erster Mai.
Ansonsten war hier gestern, wie in jedem Jahr, zu den Mai-Randale-Festivitäten nichts besonders los. Manchmal auch gut, wenn man mittendrin und dennoch außen vor ist.

Es herrschte feiertäglich gelassene Stimmung wie auch am vergangenen Sonntag, als auch noch besonders gutes Wetter war. Da hatte ich mit Lotti einen Gang durch den Kiez gemacht, und zwar bis an die Grenzen - die Grenzen des alten Bezirks Wedding.


Lotti zog zur 'Weddinger Alster'. Zugegebenermaßen ist nur das linke Ufer Teil des alten Weddings, ab Wasserkante ists der alte Bezirk Tiergarten. Aber egal, gemütlich lagerts in der Sonne auf den Uferwiesen; und Mitte ists ja sowieso.


Vor der Weddinger Alster liegt aber noch der Mettmann-Platz, den man queren muß.
Die Bahntrasse über ihn hinweg führt hinter der Kurve direkt hinunter in den Hauptbahnhof.

 

 In umgekehrter Richtung gehts raus nach Norden scharf am Wohnzimmer säuselt der IC(E) nach Rostock/Stralsund in ca. 17 m Höhe vorbei:


Das Streichen der Betonpfeiler bringt trotzdem was. Stell dir das mal ohne vor!


Ok, also an der Alster - bei der es sich um den Nordhafen im Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal handelt -  waren wir. Lotti zog nun aber in die andere Richtung, kanalabwärts Richtung Westhafen.

Die Idylle am Nordufer ist grenzenlos - wenn man rechtzeitig abschwenkt (dazu ein anderes Mal).


Wie verreist.



Am verkehrsberuhigten Peking-Platz vorbei, der nun als Restaurant-Straßengarten genutzt wird, zurück zum Lausepark: Auch hier die reine Bukolik:


Es gibt Tage, da gerät man beinahe ins Schwärmen - sogar im Sprengelkiez und vom Wedding.

P.S. Eigentlich habe ich diese Runde nur gemacht, ja machen müssen, weil das Wetter zu schön dafür war, mit Lotti in die Rehberge zu fahren. Dort hatten an diesem Tag (25.4.) mit Sicherheit viel zu viele Menschen auf den Wiesen campiert, als daß ich hätte Lotti frei laufen lassen können. Und wenn ich sie eh schon an der Leine haben mußte, dann lieber für eine Kiezrunde.


Donnerstag, 11. März 2010

Ein Alien auf Kiezbesuch

Wenn dem speziell im Sprengelkiez beheimateten gemeinen Weddinger, oder auch diesem an sich, ein Outdoor-Gelüst überkommt, wenn ihm also nach Biergarten ist und er zudem als so verantwortungsvoller wie bequemer Bürger darauf Wert legt, den anvisierten Ort zu Fuß zu erreichen, wird er als eine Möglichkeit unter nicht sehr vielen etwa das 'Schupke' ansteuern können.


Wettermaßig ist das jetzt noch nicht unbedingt angesagt, obwohl sich der rauhe Menschenschlag hier eben auch von härteren Bedingungen nicht schrecken läßt.

Schupke, 1 Gast genießt die pralle Sonne, Außentemperatur um 0 Grad

Die Harten sitzen schon im Garten;
die Masse meidet die Terrasse.

Neulich nun hat sich ein Außerirdischer, materialisiert als drinking man,  auf seiner Erdenerkundung ins Schupke gewagt - hier seine Aufzeichnungen, aus denen die folgenden Zitate stammen.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Stadtleben-Wedding-Grenadine-Thekentanz-Cocktails;art125,3048072
Man kann ja mal eine Trinktestexpedition in raue Regionen wagen. Kreuzberg ist auch nicht überall lustig, oder?
Er mußte also schon von der Region Wedding gehört haben, was bei ihm offensichtlich Unwohlsein verursachte, um nicht zu sagen, etwas wie Furcht schien ihn ergriffen zu haben. Aber der Notfallplan stand:
Außerdem ließ ein Blick auf den Stadtplan erkennen, dass sich in der Umgebung des Schupke drei U-Bahnhöfe befinden, in Nahflucht-Weite.
Sprengelkiez: Trift-/Tegeler Str.= Schupke,UBahn Stationen auf vorgezogene Spitze-Linksaußen-Rechtsaußen, dort auch SBahn-Ringstation

Das Expeditionsobjekt im engeren Sinne war das "Happy Cocktail Night" Angebot im Schupke, dienstags ab 17 Uhr zu reduzierten Preisen.
Wedding? Oh. Da soll es wirklich Cocktails geben, die nicht im Bierglas serviert werden? Der drinking man, sonst kaum zu Diskriminierungen neigend, war doch pauschal pessimistisch, als ein compañero ein Lokal im Nordberliner Arbeiterviertel vorschlug.
Die Normalpreise für Cocktails liegen so um die 5 €; den Tagescocktail gibt es zudem ab 9 Uhr 30 für nur 3,33 €.
Der drinking man gesteht, dass die Tiefpreise sein Misstrauen verstärkten. 
Todesmutig allerdings überwindet sich der dm und haut erst einen My Way rein, darauf einen Mai Tai, - offensichtlich, da nichts Gegenteiliges vermerkt wurde, dann doch aus Cocktailgläsern - dreht auf mit einem Sex on the Beach und schaltet mit einem Tropenfeuer den Nachbrenner ein.
Die ersten beiden hätten sehr ähnlich, aber nicht schlecht geschmeckt; das herb-bittere Tropenfeuer stäche vom extrem aprikosigen Sex on the Beach ab. Gesamturteil:
Ließ sich jedoch alles trinken. Mehr musste dann aber nicht sein.
Verstehe ich. Vier Cocktails hintereinander, stolze Leistung, Hut ab! Mir wäre spätestens beim Extremsex am Aprikosenstrand, dem dritten Hahnenschwanz - oder um das Niveau etwas abzusenken: Schwanzschwanz, der Mund zusammengeklebt; und zwar unabhängig von der location oder area. In einer Bar oder Lounge in MitteFriedrichshainKreuzPrenzlKölln würde ich dafür aber auch noch mindestens das Doppelte bezahlen.

Als Ergebnis der außerirdischen Trinkexpedition läßt sich also festhalten:
Inmitten des Sprengelkiezes im Schupke kann man sich preiswert gut trinkbare Cocktails einverleiben.
Sie werden nicht in Biergläsern serviert, sondern in extra Cocktailgläsern. (Man bekommt auch Besteck, wenn man Essen bestellt!)
Man kommt - auch aus entfernteren areas und districts - sehr gut mit der U-Bahn hin.

Lasse sich aber niemand in die Irre führen von den nicht ganz ortsfesten Kenntnissen unseres extraterrestrischen Besuchers, der das Schupke zwar zutreffend im "Wedding" ansiedelt, diesen aber für ein "Nordberliner Arbeiterviertel" hält.
Zum einen ist das mit den Arbeitern so eine Sache. Gwido W. würde bei einem Arbeitslosenanteil von 25-30 % eher vom HartzVier Viertel geifern. Zum anderen, und das ist ungleich wichtiger, ist der Wedding keine Nordberliner Region, das sind eindeutig die Bezirke Reinickendorf und Pankow. Der Wedding dagegen gehörte als einer von sechs Bezirken auch schon vor 1920, als Groß-Berlin gegründet wurde, zum Berliner Stadtgebiet, dem heutigen Innenstadtbereich. Die anderen fünf Bezirke waren Mitte, Tiergarten, PrenzlBerg, Friedrichshain und Kreuzberg.


Das Schupke ist so gelegen, daß in den langtagigen Monaten die untergehende Sonne bis zum Schluß auf die Terrasse scheint. Da kann man rumhocken, - wenn man einen Platz bekommt, Weizenbier vom Faß oder das hauseigene Schupke-Bräu Bier trinken (natürtrüb, nicht unbedingt mein Fall, aber immerhin mit Einzigartigkeitswert), oder eben - werd ich mal probieren an einem Dienstag - einen Cocktail schlürfen.


Der Ausblick ist nicht eben spektakulär. Im Gegenlicht der untergehenden Sonne mit einer vollbesetzten Terrasse und einem kalten Getränk vor sich aber so rauh-idyllisch wie es hier nun mal ist.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Ein gefundenes Fressen für Guido

Mit Lotti Gassi gehen ist nicht einfach Spazieren gehen plus Hund-an-Leine.
Man muß verhindern, daß sie x-mal pro Gassigang überfahren wird; man muß im Auge haben, welche anderen Hunde, und vor allem Hundebesitzer, sich in der Nähe aufhalten; man muß Verletzungsherde wie zerbrochene Bierflaschen oder abgelegten Hausratsmüll umschiffen, und man muß last-but-not-least (oder: was-zuletzt-kommt-muß-nicht-das-Letzte-sein) Lotti ständig von Freßbarem am Wegesrand wegzerren.

Sehr beliebt die Packung Margarine, seit mindestens vier Wochen im Angebot, und wetterbedingt immer noch frisch:


Oder dieser Apfelgriebsch - ein, zwei, drei, viermal reingebissen und weg damit; achtlos wird der größere Teil des Obststücks entsorgt. Da muß es ja einer dicke haben, dachte ich anfangs.


Und es wird noch besser. Ein bißchen großzügig Obst und Gemüse eingekauft, und - wir hams ja!  und überhaupt was solls! - wozu in den Müll, gleich unterwegs im Park entsorgt, so schien es mir.


Dazu ein kleines Brotsortiment; bißchen Unterlage bräuchte der Mensch ja auch.

 

Ein Stück Pizza mit Wodka zum Nachspülen rundete das Menü ab.

Und ich kann dann zusehen, war ich etwas voreilig angesäuert, wie ich Lotti im Zaum halte.

 


Das hier war heute vormittag. Schlagartig fuhr es mir da in die Glieder! Zisch! Boing! Dong!
Was, wenn das alles Guido 'The Talib' Westerwelle zu Gesicht bekäme. Das, das wäre - das wäre DAS gefundene Fressen für ihn.

Stell dir nur vor, dachte ich, der besucht hier den Sprengel-Problemkiez - in seiner Eigenschaft als Außenminister nicht undenkbar - und ich hör schon sein Geifern ...
schon immer gesagt Hort der spätweddinger HartzVier Dekadenz ...
schon immer gesagt Leistung muß mehr sein als mit wertvollem Essen um sich zu werfen ...
schon immer gesagt hier sieht  man wo schon immer gesagt sozialistisches Gedankengut schon immer gesagt hinführt ...

Zur Strafe, denke ich mit kaltem Schweiß auf der Stirn, schickt er dann die Taliban Aussteiger hierher ins Viertel.

Sachlich habe ich keine Lust, mich mit diesem fundmentalistischen FDP-Schnösel-Klugscheißer (alles Pleonasmen) GAU-Vizekanzler auseinanderzusetzen, der und dessen Partei seit Jahrzehnten nichts mehr dazulernen:
Dazu verweise ich auf folgende 'unverdächtige' Links:

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,678574,00.html
http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/Guido-Westerwelle-Sozialstaat-Mindestlohn;art141,3032619
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,678690-2,00.html

Die meisten Essensreste verschwinden übrigens innerhalb geraumer Zeit wie von selbst. Krähen, Füchse,Tauben, verschiedene Vögel, sie alle machen sich darüber her. Das Brot- und das Obst-Gemüsesortiment oben auf den Bildern macht auch nicht den Eindruck, als wäre es durch achtloses Wegwerfen zustande gekommen, sondern das wurde von jemandem so hindrapiert, auf daß es leicht gefunden wird von den Tieren, die ansonsten gute Chancen hätten zu verhungern.

Herr Vizekanzler der BRD! Solidarität, sogar mit unbekannten frei lebenden Tieren findet man hier.
Is' nix für Sie, oder? Aber Guido, wir wissen, wo dein Auto steht.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Wedding goes Glamour

Na das ist doch mal was. Das ist ja ne Überraschung. Das geht runter wie ... irgendwas mit Öl.
Von wegen Problembezirk und deutsche HartzVier-Zentrale. Hier hat jemand das Potential erkannt, das  im Wedding verborgen ist, und zwar nicht nur irgendein Potential, nein gleich den möglichen Glamour-Faktor dieses Schmuddelbezirks. Bravo Gala. Ab sofort für 9,80 € erhältlich, und gleich auf dem ersten Cover eine typische Weddinger Schönheit (über den Rechtschreibfehler bei 'wedding' sehe ich einfach mal hinweg; ist vielleicht der Aufregung der Hochzeitsnacht geschuldet, sollte aber in der zweiten Nummer korrigiert sein):

Bild von www.gala.de

(P.S. Nachtrag am 16.2.10: Unter 'Berlin-Wedding - Aktuelle Nachrichten - 16. Februar 2010' findet sich ernsthaft  der Hinweis auf die Erstnummer der Gala wedding.
http://news.feed-reader.net/46444-berlin-wedding.html
Suchmaschinen können eben ungeheuer blöd sein!)


 Ansonsten gibts nicht so viel Positives zu berichten. Höchstens, daß die Berliner Politik sich nun endlich des Winters annimmt. Spät gefreit hat nie gereut, möchte man da ganz 'Gala wedding'-mäßig zurufen.
"Politiker wollen Gesetz ändern, um extreme Glätte künftig zu verhindern." (Tagesspiegel,11.2.10, vgl auch im folgenden ebda S. 9) Das ist schon mal gut, auch wenn ich nicht weiß, weshalb - wenn man schon dabei ist - das Gesetz nicht gleich so geändert wird, daß Glätte an sich, oder der Einfachheit halber gleich der ganze Winter, verhindert wird.
Die Justizsenatorin hat aber schon mal sofort gehandelt und hat sich zehn Freigänger geschnappt, um vor ihrem Verwaltungsgebäude die Eisplatten aufhacken zu lassen. Obwohl, das betroffene Gebäude von der landeseigenen Immobiliengesellschaft BIM verwaltet wird, die also seit Monaten dafür verantwortlich gewesen wäre, daß sich diese Eisplatten erst gar nicht bilden.
Nun gabs offensichtlich mehrerer Beschwerden - klar, vor öffentlichen Gebäuden ist am wenigsten geräumt worden -  was macht also die BIM? Sie hat eine Arbeitsgruppe gebildet. Das nenne ich kraftvolles Handeln, angesichts von zum Teil wirklich abenteuerlichen Gehwegsverhältnissen. Aber damit nicht genug, nein: "...nach dem Winter sei eine Grundsatzdiskussion über den künftigen Umgang mit dem Thema fällig."  
Gut, lassen wir den Quatsch.

Die Probleme mit der S-Bahn sind auf vergleichbare Art, wenn auch noch nicht sofort, aber im Prinzip und im Grunde praktisch sozusagen so gut wie beinahe fast gelöst. DB-Chef Gruber hat nämlich eine neue Strategie: Kunde, Kunde, Kunde und nochmals Kunde - das ist die neue Strategie. (Tagesspiegel, 11.2.10, S. 21) Nun läßt sich daraus leicht der Umkehrschluß ziehen, was vorher garantiert nicht zur Strategie gehörte.

Doch noch was richtig Gutes: Berlinale, heute ist die 60. Berlinale eröffnet worden. Hab ich glatt noch ein paar Bilder gefunden ...











Na gut, die sind nicht ganz aktuell; sondern aus 2006; dafür aber ohne Schnee.

Montag, 28. Dezember 2009

Aus der Zeit gefallen

Die schönste Jahreszeit ist die Zeit, die es eigentlich gar nicht gibt oder geben kann, die Zeit zwischen den Jahren.
Auch wenn 'Jahr' oberflächlich immer ist, für mich fällt spätestens ab Heilig Abend das alte Jahr ab, und bis nach Neujahr, eigentlich bis zum Ende des ersten Januarwochenendes, hat das neue Jahr noch nicht  begonnen.
Die Wetterumstände sind gemeinhin bescheiden; im besten Falle herrscht nicht störendes Nicht-Wetter, wie jetzt grad. Dafür kann man sich während dieser Zeit so schön aus der Zeit fallen lassen.



Trostlos könnte einem der Anblick der Gerichstraße vorkommen. So aus der Zeit gefallen, mit Lotti unserer Dackelhündin an der Leine, sehe ich dagegen eine friedliche nachweihnachtliche vormittäglich ruhige Straßenszene.

(Als ich neulich spätabends mit Lotti Gassi gehen war, fragte mich eine Frau nach dem Weg zu einer Kneipe hinter dem Amtsgericht Wedding. Sie kannte sich etwas aus und wollte wissen, ob sie mit der Gerichtstraße auf dem richtigen Weg zum Amtsgericht sei. Ich antwortet ihr mit nein, denn die Gerichtstraße hieße Gerichtstraße, weil sie zum alten Gerichtsort führen würde, dem Hinrichtungsplatz auf dem heutigen Gartenplatz. Keine gute Antwort für halb eins nachts. Aber sie könne trotzdem die Gerichtstraße lang gehen, müsse aber am Nettelbeckplatz in die Pankstraße abbiegen, die würde sie zum Amtsgericht führen.)

Wir drehen uns um, gehen die Gerichtstraße bis zum Nettelbeckplatz und biegen rechts in die Lindower Straße ein.




Gut, bei der Lindower Straße entlang des Bahndamms der Ringbahn mag es schon schwerer fallen; aber es kann gelingen, in der Ödnis die Stille zu sehen.
Geht man weiter und biegt am oberen Bildrand rechts in die Müllerstraße nach Norden wieder ein, kommt man zum Lausepark, früher Courbièreplatz, seit 1994 Max-Josef-Metzger-Platz.



Ein Gedenkstein zu Ehren des katholischen Pfarrers und Platznamensgebers, zünftig geziert von einer Piccoloflasche Rotkäppchen. In der St. Josephs-Kirche gegenüber wirkte er, bis er von den Nazis 1944 ermordet wurde:
http://www.st-aloysius-berlin-mitte.de/pageID_1886038.html
http://www.luise-berlin.de/bms/bmstxt00/0003porb.htm

 

Der schiefe, fallende Stein vom Lausepark. Wer aus der Zeit der Nazis gefallen war, war schon praktisch gleich tot, wie die Zeit der Nazis selbst nur Tod und Zerstörung bringen konnte.
Um 180 Grad gedreht, das durch Grafittis aktualisierte Denkmal für die Trümmerfrauen und -männer, die dann den Schutt der Zerstörung weggeräumt und aus diesem wieder etwas aufgebaut hatten. Detailbilder hier:
http://www.gerhildkomander.de/content/view/210/220/



Das reicht jetzt eigentlich für Lotti. Wir gehen rüber, nach Hause, wieder zurück in die Jetztzeit, zwischen den Jahren.
Es stimmt was M. sagt, 2010 schreibt sich - noch - nicht gut. 2009 kommt mir aber - schon - etwas gestrig vor. Na gut, gucken wir Sissy, oder machen wir sonst sonst etwas herrlich wunderbar Sinn- und Nutzloses. Ist ja zwischen den Jahren.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Kind,schau unter dich

Nun habens wirs.
Der gefürchtete Berliner Winter ist dieser Tage angekommen. Ein italienischer Mitbewohner des Hauses hatte mich schon vor Monaten ängstlich gefragt, ob es hier wirklich so schlimm sei im Winter. Ich beruhigte ihn damals - wider besseren Wissens und weil ich damals im Sommer auch noch nicht dran denken wollte.

Der Winter zeichnet sich einerseits durch viele NICHT und KEIN aus: Es ist nicht kalt, es gibt eher kein Schnee, damit auch keine Chance für wintersportliche Aktivitäten, es ist nicht trocken, es gibt keine gute Luft, es gibt keine Sonne, kein Licht, es ist nicht hell, es macht keinen Spaß draußen rumzulaufen oder zu fahren.


 Lausepark

Dafür zeichnet er sich andererseits durch das aus, was er besser nicht wäre: Es ist feucht, kühl, regnerisch, diesig, neblig, dämmerig, dunkel, trüb.
Schnee fällt schon als Matsch vom Himmel und Licht gibts nicht von der Sonne, sondern von Kerzen und Glühbirnen - pcmäßig von Energiesparlampen.

Sonnenaufgang heute war um 8:04, Sonnenuntergang um 15:52. Dazu kamen dichte Wolken und Hochnebelfelder; der Unterschied zwischen Tag und Nacht und Helligkeit und Dunkelheit ist nicht sehr konturiert.
Eine schreiende Ungerechtigkeit, daß der Süden Deutschlands nicht nur mehr Feiertage hat, sondern zu dieser Jahreszeit viel mehr Tageshelligkeit. Die Zeit zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang ist in München deutlich über eine halbe Stunde länger.

Kind schau unter dich, hätte meine Großmutter in solche Fällen wohl gesagt. Woanders kann es noch schlimmer sein. Dafür bietet sich Trondheim an, die Großstadt im mittleren Norwegen: Dort ging die Sonne heute um 9:44 auf und um 14:35 gleich wieder unter.  Da lohnt es sich kaum, das Licht auszumachen. Und es gibt noch schlimmere Orte. Wer möchte jetzt schon in Murmansk sein?!


Rehberge, hat doch eigentlich auch was Idyllisches

Außerdem, in knapp 2 Wochen ist astronomischer Winteranfang und damit Sonnenwende. Die Tage werden dann rechnerisch wieder länger. Merken wird man das zwar erst ab Ende Januar. Aber immerhin, und jetzt, wird es auch nicht mehr schlechter, paar Minuten noch auf den ganzen Tag. Wir sind also in der Talsohle, und ganz da hinten und ohne sie sehen zu können, man weiß aber, daß es sie geben wird, sind die Lichtstreifen.

 
http://www.gruen-berlin.de/parks-gaerten/gaerten-der-welt/ueberblick/