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Donnerstag, 7. März 2013

Kalender 130304-07: Frühlingsvorgeschmack

Mo 4.3.13
Der erste Tag in diesem Jahr unbemützt mit Lotti auf großer Rehbergerunde. 
Für Hundebesitzer ist dieses Vorfrühlingswetter nicht nur von Vorteil. Man muß den Raum mit mehr Parknutzern als im Winter teilen, (das vereint uns mit den Joggern): Jungfamilien mit kleinen Kindern (sind zum Glück nicht mehr so interessant für Lotti): Radfahrer (einige passen auch von sich aus auf, wo sie hinfahren); und kotz-brech-würg, gleich zwei Grüppchen heute kurz hintereinander am Plötzensee: Bierflaschen-schwenkende-Griller. Besonders ärgerlich, wie Lotti magisch von dem Bratgut angezogen wird - und ich sie dann weglotsen darf.

Promenade am Plötzensee, weit genug entfernt vom Grillgestank

Di 5.3.13
Auf den Vormittagsrunden führts häufiger an dieser Kneipe vorbei an der Ecke Plantagenstraße/Adolfstraße. Es ist die letzte der Berliner Eckkneipen weit und breit. Mir fällt nur noch eine vergleichbare ein, aber die ist an keiner Ecke; und dann in einem riesigen Umkreis nichts mehr. Das hat seine Gründe.


Das Foto hier deshalb vorab als vorgezogene Dokumentation von noch nicht Vergangenem.




Mi 6.3.13
Bei gleißendem Sonnenlicht und bis zu zehn Grad plus tagsüber und so verwöhnt in den letzten Tagen und beinahe schon gewöhnt daran davon zu lesen, daß mit winterlichem Wetter zu rechnen ist - da reibt man sich die Augen vor Verwunderung.

Möwensee Eisschicht, im Hintergrund die Bau-häuser der Afrikanischen Straße auf Straßenniveau

Das Weddinger Seenland ist da cooler. Der Möwensee zum Beispiel sagt sich offensichtlich, bevor ich dann sowieso gleich wieder zufrieren soll, taue ich gar nicht erst richtig auf. Der Grund dafür, daß es auch nach der relativen Wärme ein leichte Eisschicht auf dem See gibt, ist aber eher die topographische Lage. 
Man spürt es im Gesicht, wenn man den Weg zum Möwensee hinunterläuft - das Straßenniveau dürfte sicher so vier Meter höher liegen -. wie es deutlich kühler wird, besonders wenn das Gesicht, so wie auch heute, oben in der Sonne aufgeheizt worden ist. Der Möwensee, gestaltet aus dem ursprünglichen Langen Fenn, liegt in einer Mulde und bildet so einen Kältekessel - mit einer Eisschicht trotz zweistelligen Plusgraden.

Do 7.3.13
Ich hätte einen neuen Traumjob: SBahn-Triebfahrzeugführer auf der Strecke Flughafen Schönefeld - Waßmannsdorf - Bahnhof BER. Das sind die 8 km SBahn Verlängerung zum BER, die zwar nicht in Betrieb sind logischerweise, aber täglich befahren werden müssen, damit die Gleise nicht verrotten, der Tunnel nicht schimmelt.

Blick von der Marienfelder Feldflur gen Süden nach Brandenburg hinein, auf dem Mauerweg in Berlin stehend,der Betonstreifen markiert das Fundament der ehemaligen Grenzbefestigung

Eine Tätigkeit, die notwendig ist, weil sie völlig sinnlos ist. Das Paradox soll mal jemand auflösen. In solch einem Stadium des Grotesken befinden wir uns hier u.a. mit dem BER.

Donnerstag, 21. Februar 2013

Kalenderblatt 130221: Die beiden Bettler von Entenhausen

Do 21.2.13
Wowileid und Spatzeck verbraten Fantastilliarden.
So lautete heute wirklich die Aufmacherschlagzeile des Tagesspiegel mit Bezug darauf, daß es das BER-Desater ins Micky-Maus-Heft geschafft hat. Jetzt ist Berlin, sind wir also nicht in Schönefeld, sondern in Entenhausen gelandet. Willkommen in der Wirklichkeit, Willkommen Berlin! This is Entenhausen calling!

Marienfelder Feldflur heute nachmittag,Sonne schon wieder weg
 
Und es kommt schlimmer: Mit Lotti am Vormittag grad aus dem Haus getreten; vor uns auf dem Bürgersteig ein Mann in einem hellen, beigen, extrem speckigen dünnen Mantel, eine Kapuze über den Kopf gezogen. Offensichtlich ein Bettler, denn er hielt Passanten ein Gefäß entgegen war, wohl auf ihr Mitleid mit ihm setzend, denn er lief nicht einfach die Straße entlang, sondern hinkte mit steifem Bein und mit schief buckliger rechter Schulter, aber erstaunlichem Tempo vorwärts, wobei seinen Bewegungen etwas Spastisches, etwas abgehackt Unrhythmisches anhaftete. Kurz vor Lotti und mir hatte er die Müllerstraße überquert und war zum Lausepark getackert  und saß nun auf einem der erhöhten steinumfaßten Einpflanzungen, als wir ankamen. Er unterhielt sich mit einer Person, die erstaunlicherweise beim Herankommen die identische Behinderung, äh Minderbegabung, gezeigt hatte. Sogar die Krücken waren identisch, lediglich der Mantel war dunkel, blau, aber nicht weniger speckig.
Ich ließ Lotti schön herumschnüffeln, während ich in Ruhe die Bettler beobachtete. Bettler II stand ziemlich entspannt und schön aufrecht, überhaupt nicht mehr bucklig verkrüppelt im Gespräch da, die Krücke schlenkerte an seinem Arm. Bei Bettler I  hatte mich schon das Hinktempo stutzig gemacht. Aber nun, wie er ganz normal mit dem ehemals steifen aber nun plötzlich angewinkelten Bein auf den Steinen saß. Bettler II hatte sich aufgemacht, sofort in seine Behinderung verfallend. Bettler I folgte ihm nach einer kurzen Weile, wobei er nun mit ziemlich runden Schritt loslief und sich erst noch wieder in seinen starkbehinderten Gang finden mußte. Er war noch in der Wiederaufwärmphase.     
Ich blickte ihnen nach auf ihrem Weg zur SBahn. Von hier kämen sie doch auch nach Schöne-
feld, dachte ich, und war mir sicher, daß das Spatzeck und Wowileid waren, die hier wie Harun al Raschid incognito für ihren Flughafen unterwegs waren.

Die Gebete der Vitamin D-Darbenden sind offenbar erhört worden. Schlecht für die Stimmung ist die Sonne bis mittags tatsächlich nicht gewesen. So ein bißchen Leichtfüßigkeit - hat gutgetan und war fast vergessen.


Samstag, 26. Juni 2010

Hohe Himmel

Ich wollte eigentlich was über den Sommer sagen, aber erstmal war gestern der Desinfektor da, genauer eine Desinfektorin, um die Wohnung, in der wir letzte Woche den Mieter Poppy tot aufgefunden hatten, zu ... ? ja zu was eigentlich?
-Um die Wohnung zu desinfizieren und zu entwesen.

Die Desinfektorin sah aus wie aus 'Killer-Virus III', im weißen Ganzkörperoverall und mit Gasmaske.
-Logisch, wenn man die Wohnung begast, d.h. sie mit gifttigem Gas flutet.
Die Frau war ganz rot und erhitzt, nachdem sie fertig war und wieder in Straßenkleidung da stand.
-Kein Wunder bei der Wärme und in geschlossener Schutzkleidung arbeiten - Schwitz!
Sie war eine junge Frau, so gut Mitte zwanzig vielleicht. Wie sie denn zu diesem Job gekommen wäre.
-Lächelt sie und sagt, mein Vater ist der Chef. Ab morgen können Sie wieder rein in die Wohnung.
-Können wir aber tatsächlich noch nicht, da die Wohnung noch nicht freigegeben ist und der Wohnungsschlüssel von der Polizei wieder zum Nachlaßgericht gebracht wurde.

Als die Desinfektorin in die Wohnung gegangen war, hatte sie erst einmal die Fenster aufgemacht.
-Ich hatte ja gedacht, daß irgendein Vorhang oder Rolleau vor dem einen Fenster angebracht wäre. Aber nein, das war so abgedunkelt, weil es von einer Fliegenwand bedeckt war.
Die zerstoben nun zum Teil ins Freie hinaus, wie man unten vom Hof aus sehen konnte, gefolgt von einigen Geruchsschwaden. Nach einiger Zeit schloß die Desinfektorin die Fenster wieder.
-Die Desinfektion ist auf die Beseitigung von Mikroorganismen ausgerichtet, also Ein- und einige Mehrzeller; kurz Bakterien, Viren, Pilze, evtl. Algen oder Protozoen.
Entwesung oder Desinsektion vernichtet tierische Schädlinge, insbesondere krankheitsübertragende Lebewesen,  nach §18 Infektionsschutzgesetz beschränkt auf Nichtwirbeltiere.

Ein Stück der Dielung mitsamt drunterliegender Schüttung muß ausgetauscht werden. Von daher kommt auch immer wieder dieser penetrierende Geruch. Da ist Körperflüssigkeit, die Flüssigkeit aus der der Körper zu ca. 2/3tel besteht, durchgegangen.
-Rechne dir mal aus, wieviel Liter da zusammenkommen können.
Nach dem Austausch wird nochmal abschlußbegast.
Gegen den Geruch würde WickVapoRub helfen, unter die Nase geschmiert; oder Parfüm.
-Aber überlegen Sie's sich gut. Das Parfüm können Sie später dann auch nicht mehr riechen. Das verbindet sich.
-Gibts nicht was Spezielleres.
-Fläschen mit Geruchsumwandler, können Sie bei uns abholen.

-Jetzt muß ich an die frische Luft.
-Is ja genug von da.
-Genau, deshalb sieht der Sommer auch bisher so aus:

Rehberge,Liegewiese zur Transvaalstraße hin,frisch gemäht;Sonne von hinten

Trockene, frische nicht zu warme Luft, das macht diesen Hohen Himmel.
-Hoher Himmel. Ist das nicht etwas doppeltgemoppelt?
Hoher Himmel ergibt sich, wenn sich am Horizont der Himmel mit der Erde zu berühren scheint und nicht umgekehrt...
-?
-...die Erde an den Himmel zu stoßen scheint.
-( )
-Na sieh doch mal hin. Das Auge fährt zuerst den Himmel entlang wie über ein Gewölbe, bis es an der Horizontlinie an den Boden stößt.

Feldflur Marienfelde,südlich Schichauweg,Hundeschuleauslauffläche

Voraussetzung dafür, relativ klare Luft und Hochdruck. Dazu nicht heiß, 25 Grad finde ich reichen, ganz leichte Luftbewegung, fertig ist der perfekte Sommer - paar Pollen weniger könnten nicht schaden.
-Sieht M. das auch so?
-Ja, nur daß sie es mindestens zehn Grad wärmer haben möchte und bloß keinen Wind, und die Pollen stören sie kaum.

-Mal was anderes, was mir aufgefallen ist. Versteh ich ja alles, mit dem hohen Himmel und dem Sommer und so - aber sag mal, wie schaffst du das nur, daß bei diesem Wetter auf deinen Bildern keine Menschen drauf sind. Das ist doch alles voll draußen.
-Na dann kuck dir das mal hier an!

Rehberge,an der Badewanne

-?????
-Mensch da auf dem Trampelpfad, da kommen doch zwei!
-?????
-Direkt auf dem Trampelpfad. Okay ganz hinten, sind schon ziemlich klein. Mußt du mal das Bild vergrößern, klick mal rauf.
-Die Rehberge ist 71 Hektar groß, da müssen doch mehr Menschen drin sein als die paar Pixel, die du mir anbietest.
-Das sind gut 100 Fußballfelder.
-Was?
-Die Fläche der Rehberge.
-Na siehste, und da kommst du mir mit 2 Menschen an. Wo zum Teufel, sind die anderen?
-Hier sind noch zwei!

Rehberge,Große Wiese auch Ringerwiese genannt

-Was!!! Die zwei da auf dem Block, das ist doch ein Denkmal oder so.
-Ja klar. Daneben. Neben dem Ringerdenkmal.
- ...... ...   ....  . . ... .. Da steht eine Frau, eine einzige Frau.
- Moment.

Rehberge,Große Wiese auch Ringerwiese genannt

-Jetzt sinds zwei. Die Frau hat da gewartet neben dem Denkmal. Das war schon immer ein leicht auszumachenden Treffpunkt. Und jetzt setzen die sich vielleicht da in den Cafe-Kneipen-Garten und ...
-Ja schon gut, ich weiß schon, wozu man sich in einen Biergarten setzt.
-Da sitzen natürlich auch etliche. Kann ich dir empfehlen. Geht voll nach Westen, da kriegst du auch noch den letzten Sonnenschimmer mit.
-Ja ist ja gut. Danke für den Tip. Aber was ist nun mit den Menschen in der Rehberge, läßt du die irgendwo?
-?!?!? Was für eine bescheuerte Frage. Jetzt paß mal auf.

Ich geh ja nicht in die Rehberge, um für dich Fotos zu machen, die ich dir dann auch erst noch lang und breit erklären muß, sondern damit Lotti Auslauf bekommt; und ich nebenbei auch.
Dafür ist es günstiger und entspannender, wenn man mit möglichst wenig Menschen (und zwar solchen ohne Hunde) zusammentreffen kann. Deshalb geh ich auch erst ziemlich spät in die Rehberge, wenn nämlich viele schon wieder zuhause sind. Oder ich freu mich über kühles und/oder schlechtes Wetter, wenn praktisch nur Hundebesitzer und Jogger anzutreffen sind.
Trotzdem gilt, was neulich ein Hundebesitzer sagte:
-Zum Glück haben die aus Mitte die Rehberge noch nicht entdeckt.
-Und die Prenzlberger auch nicht.
Die würden ja sowieso nichts mitkriegen, meinte er.
Gut so, meine ich.

-Und hier hast du zum Schluß noch Hohen Himmel UND Menschen.

Lausepark,10:20 MESZ


-?!? Kein einziger! Mensch.
-Ach, 'tschuldigung. Falsches Bild.


















-Da is jetzt aber kein Hoher Himmel, oder?
-( )!!!