Mittwoch, 18. Februar 2015

Von weither

Musik erscholl heute in der Rehberge. Aus einiger Entfernung, doch relativ gut erkennbar, Blasmusik. Aus nordwestlicher Richtung, von der Kaserne her also. Also Bundeswehrmusikkorps:  Berliner LuftLuftLuft, Nationalhymne, andere Stücke, deren Titel ich nicht kannte.

Hier hörte man die Blasmusik schon längst.

Als Kind schon lag ich immer noch wach an langen hellen Sommerabenden, wenn ich schon ins Bett geschickt worden war, und hörte,wenn der Wind entsprechend stand, wie die französischen Musikcorps zum Nationalfeiertag oder für eine Parade in der Feilichtbühne probten.
 
Hier hörte man die Musik auch. Aber was sich da für eine Subversion auftut.

Als ich mit Lotti schon gegen Ende der Runde auf der Catcherwiese stehen geblieben war, und nicht darauf kam, was das Blasorchester da grad spielte, sprach mich eine Frau mit einer Spitzmischung an und teilte mir mit, daß das hinten von den Franzosen käme. Jaja bestätigte ich, da fände so eine Veranstaltung statt, auch mit Ansprachen, man käme ja fast bis ran, aber das ist ja jetzt - und ich mußte das jetzt sagen, weil ich mir absolut nicht sicher war, ob die Frau das wirklich wußte - das wäre ja jetzt die Bundeswehr. Ja, erwiderte die Frau, aber früher waren da die Franzosen.

Dienstag, 17. Februar 2015

"Nachmittag Schwimmschule"

Es in-stabilisiert sich zunehmend. Im Angebot wären das Euro-System und Griechenland, die Ukraine im Gezerre von Rußland der EU und der USA, die Religions-Hooligans von IS im Nahen Osten, und wer von wem in Afrika gerade abgeschlachtet wird, - ich habe keinen Überblick. 
Die Ungleichgewichte werden nachhaltiger.




Und da diese Sonne über dem Plötzensee am Nachmittag auf der großen Runde mit Lotti. Es ist frisch, das Wasser von einer hauchdünne Eisschicht bedeckt, das Geäst kahl. Das ist Vorvor-Vorfrühling. 
Nein, die Schwimmschule ist noch geschlossen.

Samstag, 31. Januar 2015

Januarabgesang

Der letzte Januartag brachte doch noch Winter. Schon kurz nach Mitternacht hatte es begonnen zu schneien.

Weddinger Postkartenidyll

Am Vormittag in den Rehbergen dann Ausgang für alle: Hunde sowieso, Kinder und Schlitten heut auch. Dem Anschein nach auch aus dem fernen Prenzlberg und/oder Mitte. Die haben ja sowas wie die Rehberge nicht.

Lotti im Schnee
 
Trotz Schneeintermezzo. Der Januar vorbei. Der Winter wird einen nicht mehr anfechten, höchstens noch mal kurz ärgern können. Das ist nach langer berliner Wintererfahrung nun mal sicher.    

Samstag, 10. Januar 2015

Lob des Januars

Nie zeigt sich Berlin berlinischer als in einem Berliner Januar. 
Schmierig, schlierig,schmuddelig. Dazu zieht grad ein Sturmtief nach dem anderen vorüber bei zweistelligen Plusgraden. Die Wolken entladen sich in diagonal bis waagerecht fallenden Wasserschüttungen. Ich habe im Park  ein ums andere Mal nach oben geschaut, ob die Bäume, ob die Äste halten. Die Wege waren gesäumt mit Bruchholz.
Dazwischen lange ruhige Phasen, in denen man die Abstufungen und Varianten des Farbzustands Grau studieren kann. Denn Berlin im Januar, das heißt Grau. Grau überall, bis zum Horizont, und dahinter und direkt vor der Nase. Auch Farbiges ist grau. Jede Farbphotographie würde das beweisen.
'Uns fehlen die Grundfarben. Wir schimmern nur.' * (Die Ungerechtigkeit mit der nördlicheren Lage Berlins. Die Süddeutschen haben zur Zeit eine gute halbe Stunde mehr an Tageslicht.)

Über jeden Monat ließe sich irgendetwas finden, womit man begründen könnte, weshalb man ganz erpicht darauf sein sollte, gerade jetzt in diesem Monat zu leben - (Im Februar z.B. steht Karnevalsbesinnungslosigkeit an, nachdem man im Dezember vielleicht grad den Weihnachtsbesinnlichkeits-Weihnachtsfeiern-Einkaufs-Streß überstanden hat). 
Doch beim Januar, da klappt das nicht. (Dschungelcamp scheint mir ein bißchen dünn als Begründung.) Deshalb macht man sich mit solchem Bekenntnis zwar leicht verdächtig - aber ich liebe den Januar!
Denn kaum etwas ist so synonym für Depression, ist so identisch mit Melancholie wie der Januar.  Hemmungslos kann man sich aller negativen Gedanken, alle Verzweifelungen, aller Trauer oder einfach nur der schlechten Laune hingeben, und kann es einfach auf den Januar schieben. Anforderungen wird  niemand ernsthaft an einen zu stellen wagen. Und wenn doch: Guck mal raus, ohne mich, s'ist Januar. Man kann - wenn man kann - sich fühlen, wie man will, kann sich aller guten Laune und aller Zwangsbeglückung verweigern und Nichts machen, wenn man kann. Am Januar solls nicht liegen, der läßt die Freiheit.

Die Rehberge sind leer. Die Bäume ragen mit kahlem Geäst ins Graue. Vereinzelte Hundegänger und Jogger, doch so verteilt, daß man zwischendurch meint, man wär allein auf der Welt. Lotti ist besonders gut drauf beim dem Wind, der ihre Jagdstimmung anfacht. Ich bin sowieso bester Laune. Denn es ist Januar, und ich habe endlich allen Raum der Welt, um einige Betrachtungen über den Januar anstellen zu können.

*Bodo Morshäuser, Die Berliner Simulation, Ffm 1983,S. 80

Freitag, 2. Januar 2015

Abenteuer an Silvester und Neujahr

Wir waren alle geflohen vor den silvesterlichen Kriegssimulationen in Berlin.

 Am Abend würde Lotti anschlagen, wuffen. Das kann erstmal ziemlich viel bedeuten: von Garnichts bis da versucht grad jemand einzubrechen. Jedenfalls lag da dann die Frau. Lag auf dem Rücken, die Hände über dem Bauch verschränkt, auf einer Reihe von Sitzkissen, und hatte wie als eine Zudecke ein weiteres Sitzkissen auf sich gelegt. Ja der Brustkorb hob - und senkte sich. Sie trug einen Nylonmantel, hatte eine Mütze auf und Handschuhe an. Die Füße guckten halb über die Sitzkissenunterlage und steckten in festen Straßenschuhen. Sie sah aus, die Frau, als hatte sie sich entschlossen, heute in winterlicher Straßenkleidung zu schlafen, und zwar auf dem Boden eines blinden/toten Ecks, das von zwei langen Gängen des Flures gebildet wurde, die sich in einem rechten Winkel hier trafen. Sie mag Ende sechzig, Anfang siebzig gewesen sein. Sie schlief.
Hallo!? Hallo?!
Die Frau öffnete die Augen, hob etwas ihren Oberkörper.
Ob wir ihr helfen können?
Nein, nein. Danke. Alles in Ordnung.
Ob sie hier wohnen würde?
Ja ja. Hier gleich in Zweihundertvier.
Ahha. Ob sie Gast oder Eigentümerin wäre?
Nein, sie wäre hier bei Privat. Bei Frau Böhme.
Aha. Und Sie kommen nicht rein?
Nein.
Ist denn niemand in der Wohnung?
Nein, sie wäre allein hier. Wollte vorhin noch einen kleinen Spaziergang machen. Als sie die Wohnungstür zugemacht hatte, merkte sie, daß sie den Schlüssel nicht eingesteckt hatte.
Den Hausmeister anrufen?
Ihr Handy hätte sie ja auch in der Wohnung gelassen. Und der Hausmeister will doch jetzt in Ruhe Silvester feiern. Oder hat sein Telefon gleich ganz ausgeschaltet. Es war Silvester, abends gegen 22 Uhr. Sie würde morgen früh zur Rezeption gehen und sich aufschließen lassen. Die sind ab 8 Uhr da.
Am nächsten Morgen war die Frau vom Gang verschwunden, die Kissen waren wieder verräumt. Die Wasserflasche stand unangetastet da. 

Am Nachmittag, des Neujahrstages, bei leichtem Schneetreiben draußen im Thermalwasser  Bahn auf Bahn ziehend. Nur anfangs die Schultern kühl von den pitzligen Flocken. Lotti lag da längst auf ihrem Kissen nach der Kurwaldrunde.

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Anthem


Laß die Glocken die noch läuten können läuten.
Vergiß deine große Gabe.
Ein Spalt - ein Spalt tut sich noch überall auf.
So kommt das Licht hinein.

[nach L.Cohen, Anthem]




 

Samstag, 20. Dezember 2014

Friedhof revisited

Vor einigen Jahren führten Gassigänge mit Lotti häufiger über den Friedhof des Krematoriums in der Gerichtstraße. Ich konnte nicht wissen, daß und wie eilig ich tatsächlich selbst schon auf dem Weg dorthin war. Im Nachhinein erschienen diese Gassigänge fast wie das unbewußte Anprobieren der zukünftigen Wohnstatt. Seitdem habe ich um das Krematoriumsareal bis auf einen Ausstellungsbesuch deshalb einen Bogen gemacht.
Neulich bin ich mit Lotti wieder mal hin, nachsehen. Lotti schnüffelt doch auf dem Friedhof mit solch unverhohlener Begeisterung.  Und es hat sich einiges getan.
Das silent-green Kulturquartier hat sich im Krematorium etabliert, das Kolumbarium ist umgezogen. Die Urnen in ihren Taubenschlagkammern sind nun zum Teil von außen einzusehen: Da sind z.B. vier ziemlich frische Urnen. Die Namen auf ihnen setzen sich aus drei einsilbigen, durch Bindestrich getrennten Wörtern zusammen. Ich kann es wegen der Entfernung nicht genauer erkennen: vietnamesisch? 
Man erkennnt aber,daß, wenn nun die Verstorbenen zurückkommen sollten, sie sich ohne Rast stärken können. In den Urnenkammern liegen bereit je ein 'Frühstückchen' Knoppers, ein 'Für Dich gebacken' Hanuta und - natürlich besonders schön, wenn grad mal Friedhofswetter sein sollte - eine Kugel Raffaello für den 'Sommer, der nie zuende geht'. 

Dem Friedhof - und nicht nur diesem - gehen ja die Toten aus; viele leere Grabflächen. Auf einem kleinen Teil des Friedhofs unmittelbar an der Gerichtstraße ist der Neubau eines Wohnhaus für nächstes Jahr avisiert. Na bitte: Warum auf den Tod warten - Wohnen auf dem Friedhof. Diese Ruhe.
 

Mittwoch, 17. Dezember 2014

16:20 Möwensee, Rehberge

Am Himmel über der Rehberge das Restlicht der jetzt längst untergegangenen Sonne. Lotti schnüffelt auf dem Ufer des Möwensees nach, ja wonach auch immer. Hinter dem kleinen Gitter am Ufer auf dem Wasser schwimmt lustlos eine Entenschar umher. Es ist grad mal Viertelfünf; sie haben noch den ganzen Abend und dann die lange Nacht vor sich. Was machen die Enten die ganze Zeit?

Manchmal rennt Lotti auf solch eine Entengruppe zu. Die Enten stieben daraufhin auseinander. Das sieht aber immer alles nach lästiger Pflichterfülllung aus. Hier, ich Jagdhund muß natürlich so tun, als würde ich auf euch losstürzen. Ja klar, verstehen wir, wir tun ja auch so, als wüßten wir vor lauter Panik nicht mehr wohin. 
Und während die Enten sich wieder aufs Wasser hocken, schnüffelt Lotti weiter den Boden ab.

Kurz nach Viertelfünf, 16:20 genau, die nachmittägliche Rushhour: Alle anderthalb Minuten  schwebt auf der Leinwand des restlichterhellten Himmels ein Flugzeug durch die Bäume am Rand des Sees. Es sind nur noch ein paar hundert Meter bis zum Aufsetzen: Welcome to TXL! 

Apropos Reisen ...

Samstag, 13. Dezember 2014

Diffusionen

Das sind jetzt die Tage, an denen man ständig meint, es würde schon wieder dunkler werden. Dabei ist es einfach nur nie heller gewesen, und wird es auch auf keinen Fall mehr.

Die Dackel, in der Rehberge, sehen aus wie Maulwurfshügel, die über die Wiese huschen. Ist das Lotti dort hinten in dem verdorrten Unkrautgestrüpp, wie sie in einem aufgeworfenen Hügel gräbt oder ist es der Maulwurfshügel selbst, und wo ist dann Lotti?

Lotti hat einen Hang, mit Menschen Kontakt aufzunehmen, die eine - verhalten gesagt - merkwürdige Aura haben. Heute rannte sie heischend auf einen jüngeren Mann zu, der etwas verwahrlost daherkam, vor allem aber aussah, als würde er nie etwas essen, dabei aber mit entschlossenem Schritt und freundlich lächelnder Miene durch die Rehberge stapft, als befände er sich auf einer Mission.
Ich war ihm im Sommer schon häufiger hier im Park begegnet. Da war seine fast schmerzende Magerkeit noch sichtbarer. Neulich, im Supermarkt war er vor mir an der Kasse. Auf dem Band ein einziges Stück Frischhefe. Die Kassenfrau guckte. Ich überlegte. 42 Gramm wiegt so ein Stück Hefe. 42 Gramm. 42! Die endgültige Antwort auf keine Frage!

Samstag, 29. November 2014

Vom Händeschütteln

Noch einmal der Ostwind. Den hätte Putin geschickt, meinte heute morgen M. 
Richtig ist zumindest, daß der Wind aus Sibirien kommt. Und richtig ist auch, daß er auf unsere nach Nordosten weisenden Fenster geht und die Wärme aus dem Zimmer zieht, was erhöhte Heizanstrengungen erfordert, was einen erhöhten Gasverbrauch nach sich zieht, was, da es sich um russisches Erdgas handelt, indirekt Putin nutzt.
Lotti beflügelt der Ostwind, so wie jede Luftbewegung. Lotti wird in Jagdstimmung versetzt. Ob die Ohren nun querstehen von der Luft, die beim Vorwärtsjagen der Meute aufgewirbelt wird oder durch den Ostwind, für Lotti ist beides Action. 

Als wir vom Lausepark heute morgen einbogen in die Gerichtstraße und uns der Wind so richtig ins Gesicht schlug fiel mir ein: Ich hab ja Putin mal die Hand gegeben, oder er mir, jedenfalls haben wir uns die Hände geschüttelt. In Sankt Petersburg, als er stellvertretender Bürgermeister war. Wir waren informiert, daß er bestens Deutsch könne, es aber nicht sprechen würde mit uns.  Wir unterließen auf jeden Fall schon mal blöde Bemerkungen. Ich kann mich nicht erinneren, jemals auf einen Menschen getroffen zu sein, der ein derart unverhohlenes Desinteresse an mir, an unserer Gruppe, hatte. Nicht daß er gelangweilt war oder er sich gestört fühlte, nein es war eine Aura, die er ausstrahlte, bei der unsere Existenz nicht von Belang für ihn war. Nicht daß ich damit schon ein Putin-Versteher wäre.

Als wir auf dem Rückweg wie üblich an der Ecke des SPD-Hauses (Kurt-Schumacher-Haus, Zentrale der Berliner SPD) die Müllerstraße wieder überquerten, fiel mir ein weiteres, ganz anderes Händeschütteln ein. Hier an der Ecke muß das gewesen sein, wo der damalige Regierende Bürgermeister Willy Brandt einem Jungen die Hand schüttelt, was dieser freudestrahlend und stolz seinem Großvater erzählt. Willy Brandt hat mir die Hand geschüttelt! Wusch, hatte er sich eine Ohrfeige gefangen. Der Großvater war frühes Mitglied der Berliner CDU. So war das damals in den frühen Sechszigern.

Das schönste am Ostwind ist - wenn man wieder im Haus ist. 

Freitag, 28. November 2014

Leichter Ostwind

An einem Sonntag Nachmittag bei Regen und pfeifendem Wind, der über die Pfützen der Brache fegt, auf dem der Rummel, die Dult sich tummeln darf mit Fahrgeschäften, die schon vor zwanzig Jahren überholt waren - und wenn das dann der Höhepunkt des sonntäglichen Familienausflugs ist! Man möchte heulen vor soviel Trostlosigkeit.
Der freitägliche Markt auf dem Nettelbeckplatz, über den heute vormittag ein leichter Ostwind blies,  bestand noch aus genau 1 Wagen mit Eiern und Kartoffeln und 1 Stand mit irgendwelchen Kleidungsstücken und Stoffballen. Gentrifizierung jedenfalls sieht anders aus.

Nun müssen die Winterreifen rauf. Höchste Zeit, wird knapp. Daß die die Baugrube vor dem Haus noch zukriegen, bevor der Boden gefriert. Die Pflanzen vom Hof hab ich heute reingeräumt. Ostwind.

Sonntag, 2. November 2014

Ein Wochenende Totengedenken

Ein ganzes Wochenende mit Toten-Gedenktagen. Nur ein paar Grad mehr, und es wäre Badewetter gewesen. 
Der Kelch von All Hallows' Eve ist am Freitag an mir ohne Behelligung vorbeigegangen. Was soll dieser amerikanische Re-Import: Reicht denn nicht Karneval/Fasching. 'Trick or Treat' könnte man auch als Erpressungs, wenigstens Nötigungsversuch ansehen.Verbellt Lotti sowieso!

Sonnabend dann Omnium Sanctorum, also Allerheiligen. Wir waren mit Lotti in Bötzow beim Landesverband Berlin-Brandenburg im Deutschen Teckelclub zur Hubertusmesse, die jeweils sonnabends um den Hubertustag am 3. November stattfindet. 

Ich kann nur sagen, Lotti ist gesegnet worden! Wobei ich im Nachhinein dachte, grad noch mal gutgegangen. Als der Pfarrer/Pastor sie mit dem Weihwasser bespritzte, zuckte Lotti jedoch zurück. Mach ich aber auch, wenn mir jemand ins Gesicht spritzt. Früher hätte das schon mal schief gehen können, bei Hunden. Jagdhunden wurde gegen Wasserscheu mit dem Hubertusschlüssel ein Mal auf die Stirn gebrannt.

Sonntag heute, gefühlt hochsommermäßig, In commemoratione omnium fidelium defunctorum, kurz Allerseelen. Auf dem Friedhof fehlte nur noch die Würstchenbude, war da was los! So viel Leben ist selten auf einem Friedhof. Es war grad die Zeit der Gräbersegnung. Jedes Grab wurde bebetet und mit Weihwasser besprengt. Ich wies daraufhin, daß Lotti gestern auch schon den Segen erhalten hätte. Das wurde wohlwollend zur Kenntnis genommen, obgleich ja Hunde auf Friedhöfen eigentlich nicht gelitten sind. Von Grabungsversuchen hielt ich Lotti auch vehement ab.

Freitag, 12. April 2013

BlauPause

Was BERLINBANAL nicht macht, hat oder ist:

Das Blaue vom Himmel lügen oder versprechen.
Ins Blaue hinein fahren.
Den Blues haben.
Sich blue fühlen.
Die blaue Blume suchen.
Auf blaue Velourslederschuhe treten.
Einen Blaumann tragen.
Als Käptain Blaubär gehen.
Einen blauen Brief erwarten.
Sich grün und blau ärgern,
jemanden grün und blau schlagen,
blauäugig durch die Welt gehen
und sich ein blaues Auge nach dem anderen holen.
Einen Blue Screen beschreien.
Blau sein.
 
Blauer Himmel über Müllerstraße am frühen Abend heute.

BERLINBANAL schätzt dagegen auch weiterhin die blaue Stunde,
und das nicht nur an blauen Montagen bei Blaumond,
und macht bis auf weiteres blau.

Dienstag, 9. April 2013

Kb 130409: Blaue Blumen und gelbe

Di 9.4.13




Mit Mütze, mit dickem Pullover, mit dickem Schal, Handschuhe in Reserve.
(Bilder vom Friedhof Plötzensee und aus der Rehberge)

Montag, 8. April 2013

Kb 130408: Blauer Montag

Mo 8.4.13


schneebefreiter Friedhof Plötzensee

Rehberge, Rondell, mit Lotti


Hier, den Südhang der Sicheldüne hoch in der Rehberge. Da, auf halber Höhe die letzten Winterreste noch.

Unterwegs ohne Mütze, ohne Handschuhe, ohne dicken Pullover, ohne dicken Schal.


Sonntag, 7. April 2013

Kalender 130406-07: Ein Blaues Band

Sbd 6.4.13
Es ist längst nicht Frühling, aber der Winter schleicht sich raus; Wintersymptome verschwinden, ohne daß sich Frühlingsindizien aber zeigten.

Plötzensee heute
Der Plötzensee nicht mehr gefroren, und man sieht auch wieder was vom Strand; auf dessen Sand aber noch Schneefelder verstreut sind. Man findet stellenweise schon festen Tritt auf den Wegen, meistens gehts aber über harten Eisschnee oder durch weiche Schneepampe hindurch. Einige Pflanzen knospen auch. Ja das würde explodieren mit ein bißchen mehr Wärme und Sonne.

Rehberge hinter Wildschweingehege heute
Die blauen Bänder an den Bäumen? Irgendwas Tibet-anisches?








So 7.4.13
Die Antwort, was es mit den blauen Bändern an den Bäumen auf sich hätte, erfolgte überraschenderweise heute morgen durch die Zeitungslektüre. Im Sportteil desTagesspiegels wurde von einer lauftherapeutischen Gruppe im Volkspark Rehberge berichtet, die schon am Karfreitag im Rahmen ihres Konzepts als Unterbrechung 'blaue Frühlingsbänder in die Bäume gehängt hatte'. 
Strickbaum, Tegler Straße, heute vormittag
Dann dauerte es aber noch fast die gesamte Vormittagsrunde, bis ich endlich drauf kam, was wiederum blaue Bänder mit dem Frühling zu schaffen hätten, was sie zu Frühlingsbänder machte. Es ist nichts Tibetanisches, sondern Eduard Möricke mit seinem Frühlingsgedicht:
Frühling läßt sein blaues Band / Wieder flattern durch die Lüfte; ...  
Natürlich stellt sich sofort die nächste Frage, wie der Frühling und blau zusammenhängen. Dazu gibt es folgenden Link: http://www.farbimpulse.de/Das-blaue-Band-flattert-wieder.418.0.html
 
Rehberge, Große Wiese, heute nachmittag 

Abgesehen nun mal von den Bändern; es war heute ein ernsthafter Frühlingsversuch. Ich bin tatsächlich ohne Mütze und Handschuhe raus mit Lotti, aber mit dickem Schal, und es war okay. Es war sonnig größtenteils, bei bis zu so acht Grad. Kind und Kegel hatten Auslauf. Aber um in Frühlingseuphorie auszubrechen, dazu tarue ich dem Ganzen zu wenig.

Freitag, 5. April 2013

Kb 130405: Ich habe auf der Grundlage von praktisch Nichts ein Kalenderblatt geschrieben.Da kann mir nicht auch noch ein Titel einfallen.- Ach vielleicht doch: Hallo!

Fr 5.4.13
Wenn sich zwei Hundesitzer begegnen, werden sehr häufig Grußformeln wie Hallo oder Guten Tag ausgetauscht. In nur sehr seltenen Fällen gehen ja auch die jeweiligen Hunde ohne voneinander Kenntnis genommen zu haben aneinander vorbei. Da Hundebesitzer in häufig wiederkehrenden Rhythmen unterwegs sind, bleibt es nicht aus, daß man ansonsten völlig unbekannten Menschen immer wieder begegnet und sich in dieser formelhaften Art grüßt. Spätestens, wenn man sich zwei-, dreimal begegnet ist, erfolgt dieser Grußaustausch. Ich kenne deshalb Menschen seit langer Zeit, durchaus seit Jahren, mit denen ich bisher nicht mehr als die Grußformel gesprochen habe; und umgekehrt logischerweise genauso.  Deshalb fällt auf, wenn man jemandem regelmäßig begegnet und dieser Grußformelaustausch unterbleibt dabei. Noch viel erstaunlicher dann, wenn eines Tages das Grußformeln dann doch erfolgt und die Regel erfüllt. Das war heute vormittag in einem Fall der Fall.  

Mit dem Bild hier hat das nicht das Geringste zu tun. Das war eigentlich so vorge-sehen, daß ich Lotti irgendwo auf dem Matschuntergrund treffen würde. Das blöde Handy hat aber so lange gebraucht, das Bild auch tatsächlich in den Fokus zu bekommen, daß Lotti schon längst wieder aus dem Bild gelaufen war. Und Lotti noch einmal wieder hineinzuschicken...vergiß es! Die sieht dich nur völlig entgeistert an, was das nun wieder soll, was du da von ihr willst.   

Donnerstag, 4. April 2013

Kb 130404: Durch die Blume

Do 4.4.13
Am Weg, Übungsplatz Marienfelde

Ich will mich nicht mit fremden Blumen schmücken. Ich hätte sie wahrscheinlich nicht bemerkt. Kurz bevor wir mit den Teckelübungen beginnen wollten, zeigte jemand drauf. Da wären ja Krokusse. Kaum recht zu glauben, und völlig unscheinbar in dem etwas verlotterten sich selbst überlassenem Grün. Das kräftige Rotgelb der Blütenblätter war dann, wenn man sich erst einmal eingesehen hatte, nicht mehr aus den Augen zu bekommen.

Marienfelder Feldmark heute

Stark im Fokus der Öffentlichkeit und Politik zwei Paralleluniversen. Das Nordkorea Kim Jong Uns und das der Offshore-Steueroasen in Verbindung mit dem weltweiten Finanzkomplex: Ich kann mich grad nicht entscheiden zu meinen, in welchem Universum eigentlich das größere Schadenspotential steckt; trotz der nordkoreanischen Atomwaffen.

Mittwoch, 3. April 2013

Kb 130403: Im Gegenlicht

Mi 3.4.13
Heute morgen schien die Sonne. Unbehelligt von Wölckchen, Wolken, oder den üblichen Hochnebeln (i.e. ein Wolke, die nicht richtig hochkommt) schien sie und war sogar höchstselbst zu sehen, sobald sie hoch genug über Dachfirste von Häusern oder den Scherenschnittlinien von Baumwipfeln gestiegen war. Jetzt könntest du ja mal zur Sicherheit ein Foto machen, dachte ich, damit das nicht vergessen wird dieses Scheinereignis, zur Selbstvergewisserung, daß es die Sonne in ihrer sichtbaren Gestalt noch gibt.
Ich könnte das Foto auch gleich weiter leiten an besorgte Freunde, die schon angefragt hatten, wann hier mit dem Wetterwechsel zu rechnen wäre. Ich simste zurück, nicht wann wäre die Frage, sondern ob. So ein Foto könnte dann arg beruhigen. Ich müßte ja nicht dazuschreiben, daß es nur um Null Grad waren. Andererseits wollte ich auch nichts beschreien und die Sonne durch Zudringlichkeit gleich wieder verschrecken oder gegen mich aufbringen. Man kennt das von Ureinwohnern.

Nun begann ich jedoch meinen eigenen Überlegungen und vorsichtigen Abwägungen nicht mehr vollends zu vertrauen und beschloß in einem Akt...ja wie soll ich sagen, jedenfalls die Gelegenheit beim Schopf zu packen, die Chance also zu nutzen, zückte mein Handy und schoß - das folgende Sonnenbild.

Die Sonne über der Müllerstraße, heute, oben mittig

Das war nicht so einfach zu bewerkstelligen. Da ich ja, um die Sonne fotografieren zu können, gegen die Sonne direkt in sie hinein fotografieren mußte, konnte ich vor lauter Sonne die Sonne kaum sehen. Ich war so geblendet, daß das Display des Handys fast völlig dunkel war und ich nur erahnen konnte, wo sich überhaupt die Sonne auf dem Display befand und ob ich sie überhaupt im Bild hatte. Hilfreich war nun die Dachlinie des links unter der Sonne, sozusagen subsolar gelegenen Gebäudes (eines Jobcenters im übrigen), das meinem blind geblendetem Blick eine Kontur zur Orientierung gab. Denn aus der Wirklichkeit jenseits des Displays wußte ich: Sonne rechts über Arbeitsamt (so hieß das Gebäude früher).

Ich schickte das Bild, das ich für sehr gelungen und zutreffend halte, dann doch nicht hinaus. Ich wollte keine allzu falschen Hoffnungen wecken. Um zehn halb elf war die Sonne wieder hinter obskuren Wolkenschichten verborgen. Laut Vorhersage zeigt sie sich Sonnabend wieder, zuerst vermehrt, länger dann am Sonntag. 

Dienstag, 2. April 2013

Kb 130402: Fundstücke

Di 2.4.13
Heute die Basisstrecke einer der Morgen-/Vormittagsrunden um einen Block erweitert. Und gleich diese Seltsamkeit in der neu hinzugekommenden Adolfstraße. Was machen all diese Kleidungsstücke und Stofffetzen in den Bäumen? 

Adolfstraße, Berlin Wedding

Ist das einfach als Müll aus dem Fenster geworfen worden und in den Zweigen eben hängengeblieben?
Wahrscheinlich.

Gab es Streitigkeiten zwischen Partnern, die sich mit Kleidungsstücken beworfen haben bei offenem Fenster;  oder einem der Partner wurde die Kleidung auf die Straße voraus geschmissen, wobei einiges hängen blieb? Kennt man aus Beziehungskomödien.
Könnte trotzdem sein.

Ist das ne Kunstaktion?
Glaub ich eigentlich nicht. Aber trotzdem, denn die Reihung, die Stoffe an mehreren Bäumen hintereinander, ja warum nicht.

Ist es eine politische Aktion? Die Gegend verschandeln, um die Gentrifizierer abzuschrecken.
Das könnte gut sein.

Konnte auf der Abendrunde einer Frau mit dem Weg aushelfen. Sie wollte zur Adolfstraße.